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Ulrich von Schroeder

Tibetische Thangka-Malerei

(Übersetzung aus dem Englischen: Sylvia Hobbs)

 

Das erste Gemälde zeigt das Pancaraksha Devi Mandala der 56 Gottheiten aus der Vajravali-Serie (13). Die Hauptgottheit in der Mitte ist Mahapratisara, eine der Pancaraksha oder "fünf Beschützerinnen". Diese Göttinnen schützen vor verschiedenen Gefahren, wie Krankheiten, Dämonen, Verfehlungen und auch vor allerlei wilden Tieren. Die im oberen horizontalen Register dargestellten Divinitäten und Lehrer halten die Übertragungslinie fest, sind jedoch nicht durch Inschriften identifiziert. Diese Thangka aus dem 15. Jahrhundert gehört der Sakya-Tradition an. Diese weist starke nepalesische Einflüsse auf, da viele der Sakya-Gemälde von Newari-Künstlern aus Nepal geschaffen wurden.

    Nila-Vajravidarana, eine Form von Vajrapani, ist in der Mitte der zweiten Thangka dargestellt. Diese wurde den Angaben zufolge in einer Höhle der Klippen oberhalb des Gelben Flusses in Nordost-Tibet (Qinghai) entdeckt (14). Diese Thangka ist ein Beispiel für die tibetische Kokonor-Kultur und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Stilistisch zeigt dieses Gemälde einen deutlichen Einfluss der nordost-indischen Pala-Tradition. Es zeigt auch Ähnlichkeiten mit Gemälden, die in Khara-Khoto, einem ehemaligen Tangut-Aussenposten des Königreichs Xi Xia, entdeckt wurden.

    Die Aufgabe, die buddhistische Lehre vor ihren Gegnern zu schützen, wird einer Gruppe von Gottheiten zugewiesen, die als Dharmapala oder "Beschützer des religiösen Gesetzes" bekannt sind. Eine wichtige unter diesen meist zornvollen Gottheiten ist Shri-Devi, die oberste Schutzgöttin des tibetisch-buddhistischen Pantheons. Eine ihrer Formen, wahrscheinlich Dhumavas Shri-Devi oder die "Rauchumhüllte Dame", ist die Hauptgöttin im Zentrum der dritten Thangka aus dem 14. Jahrhundert (15). Gemäss ihrer Aufgabe wird sie in zornvollem Aspekt dargestellt, und trägt unterschiedliche Waffen. Sie ist von 22 begleitenden Göttinnen umgeben, von denen 18 in den beiden unteren Registern dargestellt sind. Oben ist eine Übertragungslinie von Vajradhara mit sechs Meistern und einer Gottheit abgebildet.

   Eine weitere Thangka stellt die Lebensgeschichte des historischen Buddha Shakyamuni dar. Er ist im Mahabodhi-Stupa in Bodhgaya in Nordindien sitzend dargestellt (16). Hier erfuhr der werdende Buddha seine Erleuchtung. Die Lebensgeschichte beginnt in der oberen rechten Ecke und ist im Uhrzeigersinn angeordnet. In den vertikalen Registern unmittelbar zu beiden Seiten des Buddha befinden sich Darstellungen der sechzehn Arhats, der ersten ordinierten Schüler, sowie des Laienschülers Dharmatala. Rechts und links neben Buddha Shakyamuni stehen seine Lieblingsschüler, Maudgalyayana und Shariputra.  

    Eine kleine Thangka (17) hält die Verehrung der weissen Tara durch König Ripumalla fest, wie eine Sanskrit-Inschrift in Devanagari-Schrift am unteren Rand des Gemäldes belegt. Er war ein Khasha Malla-Herrscher von West-Nepal und West-Tibet. Gemeinsam mit einem seiner Söhne, Prinz Samgramamalla oder Prinz Pratapamalla, nimmt er vor Tara eine demütige Haltung ein. Dies ist die einzige veröffentlichte Thangka, die aufgrund einer Inschrift dem Königreich Khasha Malla zugeschrieben werden kann. Offenbar arbeiteten Newari-Künstler aus dem Tal von Kathmandu für Khasha Malla Auftraggeber, was auch durch Metallstatuen belegt ist (21).

    Ein seltenes Seidengemälde des Zehnten Karmapa Chöying Dorje (1604-1674) zeigt im Zentrum Buddha Shakyamuni in Begleitung seiner Hauptschüler Shariputra und Maudgalyayana (18). Im Vordergrund sind rechts drei Anhänger in ehrerbietender Haltung abgebildet, ihnen gegenüber sitzen links drei Musiker. In den oberen Ecken befinden sich ein Schwarzhut-Karmapa und ein Rothut-Shamarpa, vielleicht Chöying Dorje und sein Lehrer Chökyi Wangchug, der sechste Shamarpa. Während die Skulpturen des Chöying Dorje seine lebenslange Faszination für Statuen aus dem Kaschmir bezeugen, sind seine Gemälde stark von chinesischen Traditionen beeinflusst.

 

 

13.  Pancaraksha-Mandala. Tibet: 15. Jahrhundert.

       Tempera auf Baumwolle. 52 x 45 cm

14.  Nila-Vajravidarana. Nordost-Tibet (Kokonor): 13. Jahrhundert.

       Tempera auf Baumwolle. 64 x 51 cm

15.  Dhumavas Shri-Devi. Tibet: 14. Jahrhundert.

       Tempera auf Baumwolle. 72 x 51 cm

16.  Lebensgeschichte des Buddha Shakyamuni. Tibet: 14. Jahrhundert.

       Tempera auf Baumwolle. 69,5 x 59,5 cm

17.  König Ripumalla und Weisse Tara. Khasha Malla: 14. Jahrhundert.

       Tempera auf Baumwolle. 29,8 x 24,8 cm

18.  Buddha Shakyamuni gemalt vom Zehnten Karmapa Chöying Dorje. Tibet: 17. Jahrhundert.

      Tempera auf Seide. 64 x 51 cm

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